Die Wirtschaft von Lateinamerika

Lateinamerika umfasst begrifflich Zentralamerika, Mexiko, die Karibik und die Länder Südamerikas. In diesem Kulturkreis leben rund 500 Millionen Menschen, die vor allem spanisch und portugiesisch sprechen. Die größte Metropole in Lateinamerika ist Mexiko-Stadt mit rund 19 Millionen. Damit ist Mexico City die zweitgrößte Stadt der Welt nach Tokio. Zu den zehn größten Metropolen der Welt gehört auch die brasilianische Metropole Sao Paulo und die argentinische Metropole Buenos Aires. In Lateinamerika ist nach Studien der Weltbank vor allem Brasilien das Land mit einem dynamischen Wirtschaftswachstum von rund fünf Prozent im Jahr. Viele Länder in Lateinamerika profitieren auf Grund der guten Beziehungen zu China vom wirtschaftlichen Aufschwung der Volksrepublik. China hat heute die USA als wichtigster Handelspartner von Brasilien abgelöst. Bis zur Jahrtausendwende waren die USA der zentrale Handelspartner von vielen Ländern in Lateinamerika. In Ländern wie Brasilien, Argentinien, Chile oder Costa Rica, die enge Wirtschaftsbeziehungen zu China pflegen, ist das Wachstum größer als in anderen lateinamerikanischen Ländern. Viele Länder Lateinamerikas organisieren sich vermehrt in Wirtschaftsorganisationen. Im Jahr 2007 initiierte der venezolanische Präsident Chavez die lateinamerikanische Entwicklungsbank, die heute einen Gegenpol zur Weltbank darstellt. Die neue Banco del Sur, die 2009 gegründet wurde, ist im Entwicklungsprozess und hat Mitgliederländer wie Venezuela, Brasilien, Argentinien, Paraquay oder Bolivien. Unter anderem wird die Bank des Südens Finanzhilfen für schwache Volkswirtschaften in den Mitgliedsstaaten geben.

In Schwellenländern wie Argentinien oder Brasilien werden heute hohe Direktinvestitionen getätigt. In Brasilien sind die größten Investoren die USA, die Niederlande und Spanien (St. 200910). Deutschland liegt in der Liste der Direktinvestitionen in Brasilien auf Platz 6. Die USA und China sind in Brasilien und Argentinien sowohl im Export als auch im Import von Waren die wichtigsten Handelspartner der zwei führenden Wirtschaftsnationen Südamerikas. Tradionell haben die beiden Nationen eine hohe Inflation und Arbeitslosigkeitsquote. Die Inflationsrate in Brasilien lag im Jar 2009 bei fast fünf Prozent, bei einer Arbeitslosenquote von 9,3 Prozent. In Brasilien ist der wichtigste Wirtschaftszweig die Dienstleistungsbranche mit rund 66 Prozent (2010). Die Land- und Forstwirtschaft macht in Brasilien nur noch rund 5,5 Prozent aus. Zu den wichtigen Wirtschaftsnationen in Südamerika gehört auch Chile. Chile hat traditionell gute Handelsbeziehungen zu Deutschland und der EU. Die EU ist der wichtigste Handelspartner der chilenischen Exportwirtschaft. Es gibt mit China ein Freihandelsabkommen, das die bilaterale Wirtschaftsbeziehung vereinfacht hat. Das wichtigtse Exportgut Chiles ist der Rohstoff Kupfer. Die Hälfte des chilenischen Volumens im Export macht das Edelmetall aus. Auch Nahrungsmittel sind wichtige Exportgüter, die allerdings nur rund 11 Prozent des Exportvolumens ausmachen.

Zu den führenden Volkswirtschaften in Lateinamerika gehört Mexiko. Mexiko gehört zu den aufstrebenden Volkswirtschaften in Mittelamerika und war vor allem durch die Finanzkrise 200809 wirtschaftlich stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Mexiko hat traditionell die engsten Wirtschaftsbeziehungen der lateinamerikanischen Länder zu den USA. Mexiko sieht sich im Selbstverständnis als Industrienation. Sehr wichtig ist der Rohstoffhandel mit Energie. Die Erdölindustrie ist die wichtigste Exportbranche in Mexiko. In Mexiko Stadt befinden sich einige der größten Energiekonzerne Lateinamerikas wie Comisión Federal de Electricidad oder Petróleos Mexicanos. Auf Grund der begrenzten Ressourcen an Erdöl und Erdgas hat die Regierung seit einigen Jahren Förderprogramme aufgelegt, um neue Wirtschaftsbereiche zu puschen und Mexiko weniger vom Erdöl abhängig zu machen. Mexiko muss vor allem an den Schwachstellen der Wirtschaft arbeiten, wie der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, der Verkehrsinfrastruktur oder auch der Rechtstaatlichkeit. Mexiko hat in der jüngeren Vergangenheit zum Beispiel die Einfuhrzölle gesenkt. Ein wichtiges Thema, nicht nur in Mexiko, ist die Bildung. In den Bildungsszenarien vieler lateinamerikanischer Staaten sind viele junge Menschen vom normalen Bildungsweg ausgeschlossen. Die meisten großen Metropolen Lateinamerikas haben mit sozialen Unruhen und einer hohen Kriminalitätsrate zu kämpfen.

Nichts desto trotz haben sich Metropolen wie Mexico City, Rio de Janeiro oder auch die kubanische Hauptstadt Havanna im internationalen Tourismus dynamisch entwickelt. Selbst unbekanntere Länder wie Kolumbien haben sich im Tourismus gut entwickelt. In Kolumbien haben Luxushotelketten wie Hilton, Hyde und Marriott Investitionen angekündigt. Seit dem Jahr 2003 haben sich die Besucherzahlen in Kolumbien verdoppelt. Zu den beliebtesten Reiseländern der Deutschen gehören immer noch die Dominikanische Republik, Kuba, Brasilien oder Mexiko. Immer mehr Reiseveranstalter haben ihr Angebotssegment bei Lateinamerikareisen vergrößert. Vor allem auch Städtereisen für Individualtouristen werden vermehrt angeboten. In Deutschland gibt es die Lateinamerika-Initiative der Deutschen Wirtschaft des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), die vor allem das Image Lateinamerikas in Deutschland verbessern möchte. Alle zwei Jahre gibt es Konferenzen mit Delegationsreisen.

Unternehmen aus Lateinamerika sind bis heute nach dem Fortune Global 500 nicht unter den zehn umsatzstärksten Konzernen der Welt vertreten. Bei den zehn größten Konzernen in Lateinamerika sind vor allem viele Konzerne aus Mexico City. Die drei umsatzstärksten Konzerne Lateinamerikas sind die Mineralölkonzerne Petróleos de Venezuela aus Caracas, Petróleos Mexicanos aus Mexico City und Petrobras aus Rio de Janeiro. Das umsatzstärkste Unternehmen, das nicht aus der Mineralölbranche kommt, ist América Móvi, der größte Mobilfunkanbieter in Lateinamerika. Das Portal stellt einige der führenden Wirtschaftsmetropolen in Lateinamerika mit flankierenden Infos zu den Cities vor.